Ein gemeinsames Wir kann tragen. Es kann Menschen helfen, die einander nicht persönlich kennen. Es kann eine Brücke bauen, eine Schule bezahlen und die Überzeugung begründen, dass jemand in Not nicht allein bleiben sollte. Das Problem beginnt nicht beim Wir. Es beginnt bei seiner Hausordnung.

Wer darf dazugehören? Wer muss seine Zugehörigkeit regelmäßig beweisen? Und wer entscheidet, dass eine abweichende Meinung bereits ein Kündigungsschreiben an die Gemeinschaft ist? Sobald diese Fragen nur noch mit Herkunft beantwortet werden, verschwindet die einzelne Person hinter einer vorgefertigten Geschichte.

Heimat braucht keine Gehorsamsprüfung

Ich möchte Heimat als Beziehung denken: zu Orten, Erinnerungen, Menschen und vielleicht einer bestimmten Art, über schlechtes Wetter zu reden. Dafür braucht es keine Vorstellung angeborener Überlegenheit. Wer seine Umgebung gernhat, muss die anderen nicht kleiner machen.

In der satirischen Grenzstelle für innere Zugehörigkeit wird jeder Besucher gefragt, ob er das Land liebt. Wer Ja sagt, bekommt einen Fragebogen. Wer nachfragt, bekommt zwei. Das Verfahren ist erfunden. Die darin steckende Verwechslung ist die von Verbundenheit und widerspruchslosem Einverständnis.

Eine offene Gemeinschaft hält unterschiedliche Lebensgeschichten aus. Sie kann über Regeln streiten und zugleich anerkennen, dass Rechte nicht als Belohnung für Begeisterung verteilt werden sollten. Ein Wir, das nur funktioniert, solange niemand widerspricht, hat weniger Gemeinschaft geschaffen als eine sehr große Anwesenheitsliste.

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