Eine Krise macht Entscheidungen dringlich. Sie macht sie nicht automatisch richtig. Gleichzeitig ist eine später erkennbare Schwäche nicht schon der Beweis, dass die handelnden Menschen damals jede Entwicklung kennen mussten. Beides auseinanderzuhalten, ist mühsamer als ein nachträgliches Gesamturteil.
Für die Betrachtung der Corona-Zeit würde ich verschiedene Fragen trennen: Was war zu welchem Zeitpunkt bekannt? Welches Ziel hatte eine Maßnahme? Welche Daten wurden zur Bewertung genutzt? Wie wurden Kosten, Nebenfolgen und Widerspruch behandelt? Diese Fragen betreffen Verfahren und Verantwortung; dieser Text gibt keine medizinische Empfehlung.
Eine schlechte Beschaffung beantwortet keine medizinische Frage
Ob ein Auftrag wirtschaftlich war, ist nicht dieselbe Frage wie die nach der Wirksamkeit einer Schutzmaßnahme. Ob eine Kommunikation widersprüchlich war, entscheidet nicht für sich allein über das Ausmaß einer Gefahr. Wer diese Ebenen vermischt, kann sehr schnell sehr sicher werden – und dabei am Gegenstand vorbeireden.
Umgekehrt darf eine reale Gefahr nicht jede Nachfrage nach Verantwortlichkeit erledigen. Gerade unter Zeitdruck braucht es nachvollziehbare Entscheidungen und spätere unabhängige Prüfung. Ein guter Krisenstab sollte aus Korrekturen etwas lernen können, ohne jede davon als persönlichen Angriff zu betrachten.
Mein Interesse gilt einer Gesellschaft, die Irrtümer weder versteckt noch als universellen Schuldbeweis verwendet. Sie könnte fragen, welche Strukturen beim nächsten Mal besser sein müssen. Das wäre weniger befriedigend als der endgültige Sieg in einer Kommentarspalte, aber womöglich nützlicher.