Es gibt Debatten, in denen bereits die Anerkennung eines Leids als Verrat am anderen gilt. Dann wird nicht mehr nach dem einzelnen Menschen gefragt, sondern danach, welchem Lager seine Verletzung nützt. Ich halte diese Logik für eine moralische Sackgasse.

Jüdisches Leben und seine Sicherheit, palästinensisches Leben und seine Freiheit sind keine gegenseitigen Widerlegungen. Wer Rechte nur für die Menschen des eigenen politischen Bildes gelten lässt, verteidigt keine allgemeine Regel. Er verteilt Ausnahmen nach Zugehörigkeit.

Kritik braucht einen bestimmten Gegenstand

Eine Regierung, eine militärische Entscheidung, eine bewaffnete Organisation und eine gesamte Bevölkerung sind verschiedene Dinge. Kritik muss erkennen lassen, wen und welche Handlung sie meint. Andernfalls wird aus einem konkreten Vorwurf schnell eine Zuschreibung gegen Menschen, die weder entschieden noch gehandelt haben.

Dieser Text ist eine persönliche Betrachtung über den Maßstab der Debatte, kein aktueller Lagebericht und kein Ersatz für die historische Untersuchung einzelner Ereignisse. Er verlangt gerade, Daten, Dokumente, Aussagen und rechtliche Bewertungen nicht zu einem einzigen Schlagwort zusammenzuziehen.

Der Ausgangspunkt sollte klein genug sein, um ernst gemeint zu werden: Zivilisten sind keine Argumente, mit denen man einander zum Schweigen bringt. Trauer muss keine Parteilinie erfüllen. Wer nach Verantwortung fragt, darf sich nicht damit zufriedengeben, dass auf der anderen Seite ebenfalls Unrecht geschieht.

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