Wer Menschen zur Mündigkeit erziehen möchte, steht vor einer unangenehmen Aufgabe: Das Ergebnis darf ihm widersprechen. Eine Erziehung, die nur dann als gelungen gilt, wenn die gewünschte Antwort herauskommt, hat eher ein Abstimmungsverfahren als Freiheit entwickelt.

Die Frage nach Re-Education und gesellschaftlicher Neuorientierung führt deshalb über einen einzelnen historischen Begriff hinaus. Ich lese sie als Frage nach dem Verhältnis von Ziel und Methode. Wer bestimmt, was gelernt werden soll? Welche Quellen werden zugänglich? Welche Einwände dürfen geäußert werden, ohne dass die Person sofort als unverbesserlich gilt?

Kein fertiger Mensch am Ausgang

In der erfundenen Behörde für selbstständiges Denken erhält jeder Besucher ein Formular mit drei zulässigen Antworten. Unter dem Formular steht: Bitte entscheiden Sie frei. Die Pointe ist nicht, dass jede gemeinsame Bildungsaufgabe sinnlos wäre. Sie liegt im Widerspruch zwischen versprochener Selbstständigkeit und einem vorab genehmigten Ergebnis.

Eine demokratische Bildung sollte erklären, warum ein Argument trägt, statt nur mitzuteilen, von wem es stammen darf. Sie kann klare Grenzen gegen Gewalt und Entmenschlichung ziehen und zugleich ihre eigenen Annahmen offenlegen. Kritik an einer Methode ist nicht automatisch Zustimmung zu dem Unrecht, das sie überwinden sollte.

Der Prüfstein bleibt der mündige Teilnehmer: Kann er begründet Nein sagen? Kann er Quellen selbst lesen? Darf er auf einen Fehler der Lehrenden hinweisen? Wenn diese Möglichkeiten fehlen, ist die Erziehung vielleicht erfolgreich organisiert. Ihr freiheitliches Ziel hat sie damit noch nicht erreicht.

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