Das versprochene Paradies hat einen erstaunlich flexiblen Eröffnungstermin. Zuerst müssen noch Gegner besiegt, Abweichler überzeugt und unpassende Menschen aussortiert werden. Danach, heißt es, beginnt die Freiheit. Wer nach dem Danach fragt, behindert leider gerade ihre Vorbereitung.
Diese Zuspitzung richtet sich gegen eine politische Logik, nicht gegen eine Herkunft. Ein historisches Dokument macht sie konkret: Die Library of Congress veröffentlicht Lenins Anweisung nach Penza vom August 1918, in der öffentliche Gewalt gegen als Kulaken bezeichnete Menschen verlangt wird. Hier ist nicht ein gerüchteweise behaupteter Charakter gemeint, sondern ein zurechenbarer Befehl.
Der Zweck braucht Grenzen
An einem solchen Dokument lässt sich genauer arbeiten als an der Vorstellung, hinter sämtlichen Ereignissen müsse dieselbe verborgene Gruppe stehen. Wer spricht? Was wird verlangt? Gegen wen richtet sich die Gewalt? Welche Funktion soll die öffentliche Abschreckung erfüllen?
Meine weitergehende Kritik gilt jedem Entwurf, der seine Ziele gegen die Prüfung seiner Mittel immunisiert. Gute Absichten können Irrtümer nicht verhindern. Sie dürfen deshalb auch keine Ausnahme von Verantwortung begründen. Besonders misstrauisch macht mich eine Befreiung, die vorläufig niemanden gehen lässt.
Die politische Zukunft braucht eine Grenze im gegenwärtigen Handeln. Sonst ist das Morgen nur der Ort, an den die Rechnung verschoben wird. Ein Mensch sollte nicht erst auf die Vollendung einer Weltanschauung warten müssen, bevor sein Leben als schützenswert gilt.
Quelle / weiterführend: Library of Congress · Lenins Direktive an Penza, 1918 ↗