Wir stellen uns Unvernunft gern ungebildet vor. Sie trägt dann schlechte Argumente und erkennt die richtigen Bücher nicht. Das ist beruhigend, besonders für Menschen mit einem gut gefüllten Regal. Leider ist eine Ausbildung keine automatische Versicherung gegen Selbsttäuschung.

Wer Begriffe beherrscht, kann genauer denken. Er kann mit ihnen aber auch eine schlechte Behauptung so sorgfältig verpacken, dass sie wie ein Ergebnis aussieht. Der Unterschied zeigt sich nicht an der Länge der Wörter, sondern daran, was mit widersprechenden Befunden geschieht.

Die elegante Ausrede

In einer erfundenen Akademie für abschließende Gewissheiten gilt jeder Gegenbeweis als Bestätigung dafür, wie raffiniert die Wirklichkeit ihre wahre Natur verbirgt. Das Institut arbeitet erfolgreich. Seit seiner Gründung musste keine These geändert werden. Lediglich die Wirklichkeit gilt als zunehmend unzuverlässig.

Diese Szene ist Satire. Der ernsthafte Maßstab darunter lautet: Welche Beobachtung würde mich zum Umdenken bringen? Wer darauf keine Antwort mehr geben kann, hat seine Erklärung möglicherweise gegen die Welt abgedichtet.

Wissen sollte eine Verpflichtung zu größerer Genauigkeit sein. Dazu gehört, die Grenzen der eigenen Zuständigkeit zu nennen, Quellen offenzulegen und Irrtümer sichtbar zu berichtigen. Eine überzeugende Stimme macht einen Befund nicht belastbarer. Manchmal ist der wissenschaftlichste Satz der unspektakulärste: Das wissen wir an dieser Stelle noch nicht.

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