In den persönlichen Notizen stehen nicht nur große Fragen an die Gesellschaft. Da stehen auch Arbeit, Freundschaft, Fußball, Müdigkeit und der Versuch, noch einmal neu anzufangen. Eine Seite über Macht wäre unvollständig, wenn sie für das gewöhnliche Leben keinen Platz mehr ließe.
Ein Neuanfang wird gern wie eine vollständige Neuerfindung verkauft. Neuer Plan, neue Disziplin, neues Ich. Wer gerade wenig Kraft hat, bekommt damit neben seinem Problem eine zusätzliche Aufgabe: Er soll nun auch noch besonders überzeugend mit ihm umgehen.
Es muss nicht gleich eine Weltordnung sein
Vielleicht beginnt etwas anderes kleiner. Mit einem Gespräch, das nicht sofort ausgewertet wird. Einer Arbeit, deren Ende erkennbar ist. Einer Freundschaft, die keine Leistung verlangt. Mit der Entscheidung, eine Erfahrung ernst zu nehmen, ohne sie zur einzigen Erklärung des eigenen Lebens zu machen.
Das ist keine Anleitung, die jede Krise lösen könnte. Es ist eine persönliche Gegenfrage an den Anspruch, ständig ein besseres Projekt seiner selbst sein zu müssen. Menschen dürfen Unterstützung brauchen und zugleich selbst entscheiden wollen. Sie dürfen widersprüchlich sein, ohne deshalb jede Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Die zweite Halbzeit muss nicht die Wiederholung der ersten werden. Sie braucht aber auch keinen neuen Anführer, der den endgültigen Weg verspricht. Vielleicht genügt zunächst ein Platz, von dem aus man wieder selbst auf das Spielfeld schauen kann. Den Rest sollten wir uns nicht schon vor dem Anpfiff vorschreiben lassen.