Wir versammeln uns heute, um Abschied zu nehmen. Nicht von einem Menschen. Von einer sehr ausdauernden Idee: dass mehr Besitz automatisch mehr Vernunft bedeute. Die Idee hinterlässt mehrere Yachten und eine bemerkenswert kleine Bereitschaft, über ihre Folgekosten zu sprechen.
In diesem ausdrücklich erfundenen Szenario beschließt ein ebenso erfundenes Wirtschaftssyndikat: Drei Millionen Euro pro Person sind genug. Alles darüber fließt in einen Fonds für Bildung, Medizin und gemeinsame Aufgaben. Die alte Welt legt einen Kranz nieder. Auf der Schleife steht: „Unsere Gedanken sind bei Ihren Vermögenswerten.“
Aus Besitz wird Erlebnis. Die Yacht bleibt – nur der Schlüssel wird geteilt.
Die Immobilienpaläste verschwinden nicht. Sie bekommen bloß eine andere Klingel. Die Luxusyacht lässt sich für einen Sonntag mieten. Eine sehr wohlhabende Person entdeckt, dass man auch ohne eigenes Schiff seekrank werden kann. Ein historischer Fortschritt für die Gleichheit.
Die Grenze braucht mehr als eine schöne Zahl
So weit die Satire. Als politischer Entwurf beginnt die Arbeit erst jetzt. Was zählen wir: Geld, Unternehmen, Immobilien, Ansprüche? Wer bewertet einen Betrieb, der zwar viel wert ist, aber gerade wenig Bargeld hat? Wie behandeln wir Schulden, Familien, schwankende Kurse und internationale Vermögen? Eine Obergrenze ohne Antworten darauf wäre eine große Geste mit erstaunlich vielen Hintertüren.
Noch heikler ist die neue Entscheidungszentrale. Wer kontrolliert den Fonds? Wie werden Ausgaben begründet? Wer kann widersprechen? Eine Gesellschaft sollte ihre bisherigen Milliardäre nicht einfach durch unkündbare Verwalter ersetzen. Sonst wird aus der Kritik am Palast lediglich eine Bewerbung um den Hausmeisterposten.
Die Zahl ist deshalb eine Provokation zum Nachdenken, keine bereits beschlossene Ordnung und keine individuelle Finanzempfehlung. Sie fragt, wie viel Sicherheit ein Mensch braucht, wie viel Macht aus Vermögen entsteht und wie gemeinsame Güter finanziert werden könnten. Über diese Fragen lässt sich streiten, ohne den eigenen Vorschlag vorher heiligzusprechen.
Feierabend ist auch eine gesellschaftliche Idee
Vielleicht steckt der interessanteste Gedanke gar nicht in der Enteignung, sondern im Aufhören. Wann ist genug genug? Wer darf sich Ruhe leisten? Warum behandeln wir eine Pause als persönlichen Luxus und endlose Anhäufung als öffentliche Tugend?
Die alte Welt des grenzenlosen Reichtums soll in diesem Text nicht durch eine Welt des grenzenlosen Gehorsams ersetzt werden. Der Maßstab bleibt, was Menschen tatsächlich freier macht. Ansonsten feiern wir am Ende nur wieder die Befreiung durch jemanden, der den Ausgang bewacht.
Ruhe sanft, alte Gewissheit. Für die neue hätten wir vor der Einweihung gern noch den Prüfbericht.